Historie

Südamerikanische Heimat

Die Heimat der Kartoffel liegt im heutigen Peru. Die Indios in den südamerikanischen Anden züchteten schon vor 5000 Jahren Kartoffeln. Sie verehrten sie als Symbol der Fruchtbarkeit und nannten sie respektvoll „Papa“.
Größere wirtschaftliche Bedeutung bekam der Kartoffelanbau erst im Inkareich (1100 – 1532). Durchdachte Systeme zur Bewässerung machten den Kartoffelanbau an Steilhängen und trockenen Bergflanken möglich.
Auf der Suche nach „El Dorado“ begannen spanische Eroberer ab 1524 die Hochkultur der Inka zu zerstören. Erstmals 1537 stießen sie auf die Knollen, die sie zunächst für Trüffel hielten und als „mehlige Wurzel von gutem Geschmack“ beschrieben.

Der Weg nach Europa

Bis heute ist es nicht genau geklärt, wann, wie und durch wen die Kartoffel nach Europa gebracht wurde. Es ist davon auszugehen, dass es unabhängig voneinander verschiedene Wege gab.
Die wahrscheinlichste Version ist, dass um 1565 erste Pflanzen durch Seefahrer von Peru aus über Kolumbien nach Spanien gebracht wurden. Die Knollen dienten als Reiseproviant. Von dort aus kam die Kartoffel nach Italien, später nach Deutschland.
Auch die Namen Walter Raleigh und Francis Drake stehen mit dem Weg der Kartoffel nach Europa in Verbindung. Als britische Freibeuter brachten sie Kartoffeln aus gekaperten spanischen Schiffen als Beute mit nach England.

Die Kartoffel, Brandenburg und der Große Kurfürst

Friedrich Wilhelm, Großer Kurfürst, ist die Einführung der Kartoffel in Brandenburg zuzuschreiben. Er war der Ur-Großvater von Friedrich II., dem eigentlich die Legende diese Tat nachsagt.
Um 1650 sandte Friedrich Wilhelm seinen Gärtner nach Holland, um seltene Pflanzen für die Wiederherrichtung des Berliner Lustgartens zu beschaffen. Die Kartoffel war auch unter den vielen mitgebrachten Pflanzen. Als Feldfrucht ließ er sie später probeweise in der Gegend um Teltow anbauen. Auch in anderen Regionen Brandenburgs verbreitete sie sich nach und nach.
Wer sich weigerte, Kartoffeln anzubauen, dem sollten Ohren und Nase abgeschnitten werden. Diese Drohung war von Friedrich Wilhelm I., Enkel des Großen Kurfürsten und ebenfalls Befürworter des Kartoffelanbaus.
Als Friedrich der Große 1740 den preußischen Thron bestieg, galt die Kartoffel trotzdem immer noch als exotische Frucht. Er ordnete den Anbau der Kartoffel mehrfach an, um sie als Lebensmittel einsetzen zu können. Somit war er einer der ersten Monarchen Europas, der die Bedeutung der Kartoffel erkannte. 1756 brachte er seine, diesbezüglich wohl berühmteste Order heraus, die als Kartoffelbefehl in die Geschichte eingegangen ist.
Aufgrund der damals praktizierten Dreifelderwirtschaft brachten die Bemühungen von Friedrich dem Großen nur langsam Erfolg. Erst im 19. Jahrhundert mit der Durchsetzung von Reformen im Agrarbereich kam der Durchbruch und die Kartoffelanbaufläche nahm erheblich zu.
Erst ein Jahrhundert nach den Kartoffelbefehlen von Friedrich II. ist die Kartoffel zum Hauptnahrungsmittel geworden.